Jessis Tagebuch: Achterbahnfahrten

Jessis Tagebuch: Achterbahnfahrten

Ich stecke zur Zeit mitten in der Klausurphase, deshalb habe ich bis jetzt keine Muße zum Schreiben gefunden. Dennoch war wieder einiges los, und ich möchte euch informieren. Nachher heißt es wieder “Sie schreibt doch nur, wenn es gut war” 🙂

Nach Balve bin ich mit Spezi in Riesenbeck gestartet. Bei brütender Hitze fuhr Spezi mit Mama schon mal los, während ich noch in der Uni war. Weil Spezi vorher nochmal frisch geduscht hatte und damit bestens gerüstet war für die kurzweilige Fahrt, machte ihm das Wetter anscheinend nicht so viel aus wie mir.
Es war so extrem warm, dass Mama nach dem Abladen noch vor dem Stall und ohne ihre endgültige Parkposition (ich merke, ich bediene mich da grad einer Ansage aus dem Flieger) im LKW unter die Dusche sprang, da es nicht auszuhalten war.

Zum Glück war Familie de Ridder schon da, die ihr beim Ausladen des Equipments geholfen haben.

In den Stallungen war es doch recht angenehm, und es ging ein leichtes Lüftchen durch die Boxen. Spezi fühlte sich wohl und schlief erstmal ein Weilchen.

Um 18 Uhr fand der Vet-Check statt, und weil ich nicht mit Spezi daran teilnehmen konnte, hatte sich Ton de Ridder bereiterklärt, mit Spezi zu laufen. Die beiden müssen wohl eine gute Figur gemacht haben, denn sie haben mit Bravour bestanden 🙂

Am späten Abend gegen halb 11 bin ich dann auch in Riesenbeck angekommen, und vor unserem LKW saßen ganz entspannt und gemütlich Flo und Fabi Kienbaum, Anna Abbelen, die Nowags und de Ridders und meine Mum, eine sehr gesellige Truppe, mit der ich immer wieder gerne die Turnierabende verbringe.

Unser erste Prüfung am Freitag verlief ganz ok. Ich ritt vor der Prüfung unter Anleitung von Sebastian Heinze ab, da meine Heimtrainer auf anderen Turnieren unterwegs waren. Spezi machte einen nicht so ganz frischen Eindruck, war ihm vielleicht die Hitze doch etwas too much? Auch die Nachtruhe war nicht ganz so gut gewesen. Das Licht im Stall war die ganze Nacht an, und da parallel auf dem Turnier die Deutsche Meisterschaft der Gespannfahrer stattfand, war quasi schon mitten in der Nacht in den Stallungen Betrieb.

Ich habe einen Heidenrespekt vor der Arbeit der Fahrer. Unglaublich, was da an Material zusammenkommt, was man dabeihaben muss, wie lange es dauert, bis alle Geschirre sauber und ordentlich angebracht sind, plus zwei bis vier Pferde eingeflochten sind. Oder der Vet-Check Wusstet ihr, dass die Pferde am Huf markiert werden mit einer leuchtenden Farbe, damit sie nicht vertauscht werden können, da sich die Gespanne ja sehr ähnlich sehen? Jeder hat Ersatzpferde dabei, alle müssen durch den Vet-Check, und die, die nicht klar gehen, werden markiert.

Die Anlage von Ludger Beerbaum ist wirklich wunderschön. Es ist der perfekte Ort für große Turniere. Unsere Prüfungen fanden in der sehr geräumigen Halle statt. Doch es ist für mich trotz der Top-Bedingungen sehr schwer gewesen, dort ein gutes Resultat abzuliefern.

Spezi und ich sind absolut noch in der Findungsphase. Verschiedene Trainer, die alle wissen, wie es geht, doch jeder unterrichtet dich so, wie er es gelernt hat oder sieht. Man lernt natürlich von allen dazu, doch auf dem Turnier ist das verwirrend.

Wäre es eine S-Dressur gewesen, hätte es keine große Rolle gespielt, doch ein Grand Prix ist absolut etwas anderes. Spezi kann so schön piaffieren und passagieren, und er macht es so selbstverständlich. Zu Hause ist er immer gut dabei und auch ohne Stress beim Training. Doch auf dem Turnier ist es auch für ihn noch verwirrend. Ich nehme ihm das nicht übel, weil ich es ja auch noch nicht besser kann. Wir sind da beide unerfahren und lernen gemeinsam.

Ich habe auch den Fehler gemacht, ein Turnier zu gehen was eine Nummer zu groß war für uns. S’Hertogenbosch hätte ich nicht machen sollen mit ihm. Für Leo war das absolut in Ordnung, aber Spezi war dort überfordert mit der Abreitehalle; das Viereck und die ganze Atmosphäre hat ihn eingeschüchtert und dann noch diese schwere Prüfung, in der wir beide keine Routine hatten. Das hat uns zurückgeworfen. München dagegen war großartig. Außenplätze sind sowieso mehr sein Ding.

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Am Samstag bin ich nach der Prüfung zurück nach Hause gefahren. Dort wartete Leo auf unserem Heimat-Turnier in Heinsberg auf mich, und wir beide ritten eine richtig schöne Runde im St. Georg. Sehr zufrieden und mit gutem Resultat verweilte ich noch ein bisschen mit meinem Papa und meinen Großeltern sowie meinem Bruder und einigen Freunde. Das Turnier gehört zu den Highlights in unserer Stadt. Es ist immer mega gut besucht. Sehr viele Nennungen und Prüfungen bis S-Springen und Dressur bis Inter II. Mit Reiterpartys, großem Zelt und sehr vielen Besuchern.

So gegen 19.30 bin ich zurück nach Riesenbeck gebracht worden. Die ganze Truppe saß wieder gemütlich am LKW und grillte.

Mittlerweile war die Ridersparty in vollem Gange, und ich machte mich schnell flott für die Feier.

Es wurde so ein lustiger Abend, ich traf auf die üblichen Verdächtigen aus dem Springlager, die immer für gute Stimmung sorgen, die mir viel erzählen und mich dazu bringen, dass ich Tränen lache.

Wenn ich überlege, das ich z.B. Maurice Tebbel oder Guido Klatte schon kenne, seit ich elf bin. Da kennt man sich halt. Wenn die einen Fehler reiten, einen Abwurf haben, dann wird das abgehakt und weiter. Bei uns ist das ein ganzes System, was dann in Frage gestellt wird. Krasser Unterschied!

Müde, aber mit fröhlichen Gedanken bin ich wunderbar eingeschlafen. Mama fütterte am Morgen, denn sie hatte Verständnis 🙂

Gegen Mittag fand unsere Prüfung statt. Ich hatte meine neue Kürmusik von Dressage and Music dabei; sie besteht aus Stücken aus dem Soundtrack von „Fantastic Beasts“. Sie passt hervorragend zu Spezi, ist sehr harmonisch und ruhig. Echte Gänsehaut-Musik. Doch wenn die A-Note nicht gut ist, dann bekommt man für die B Note auch nicht viele Punkte. Dennoch kam die Musik gut an, und ich bin happy, dass Dressage and Musik mich unterstützen und auf meine Wünsche so eingegangen sind.

Wie schon am Anfang geschrieben, wir erleben zur Zeit reichlich Ups and Downs. Gemeinsam packten Mama und ich im strömenden Regen alles wieder ein. Spezi war, glaube ich, froh, dass es nach Hause ging. Auf der Heimfahrt hörten wir schöne Musik und redeten über das Wochenende.

Ein wenig geknickt, aber auch wieder hoffnungsvoll hakte ich eins nach dem anderen ab. Wir werden alles weitermachen wie bisher und daran arbeiten, Routine zu bekommen.

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Danach stand ein Kurzbesuch beim CHIO auf dem Programm: Ich bin mit Leo bei der Eröffnungsfeier mitgeritten. Da die Niederlande dieses Jahr Partnerland beim CHIO waren, gab es eine deutsch-niederländische Quadrille zum Auftakt.

Nach dem CHIO habe ich ein paar Trainingseinheiten mit den  Bunderstrainern, auf die ich mich freue.

Also bis dahin; eine schöne Ferien-Urlaubszeit wünscht euch

Eure Jessica